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Sind Wirtschaft und Börse noch ein Team?

von Ulf Hinrichsen

Nach dem Corona-Crash im März, bei dem die Aktienmärkte weltweit Verluste von durchschnittlich fast 40 Prozent erlitten, ging es an den Börsen deutlich aufwärts. Und obwohl die Infektions- und Todesopferzahlen weltweit noch immer steigen, ist der größte Teil der Kursverluste schon aufgeholt.

Wie aber interagieren Weltwirtschaft und Börsen?

Hund und Herrchen

Der 1999 verstorbene Börsenexperte André Kostolany verglich den Zusammenhang zwischen Wirtschaft und Börse mit einem Hund, der mit seinem Herrchen einen Spaziergang macht. In diesem Gedankenspiel ist der Mensch die Wirtschaft und der Hund der Aktienmarkt.

Der Mensch geht mal schneller und mal langsamer – im Großen und Ganzen aber vergleichsweise gleichmäßig vorwärts. Der Hund hingegen hat einen größeren Bewegungsdrang. Mal hastet er dem Herrchen voraus – mal bleibt er zurück. Oder er wittert etwas Interessantes und läuft in eine ganz andere Richtung. Doch wenn er unsicher wird, sucht er die Nähe seines Herrchens und läuft neben ihm. Am Ende kommen beide am gleichen Ziel an.

Was zeigt dieser Vergleich? Das Wirtschaftswachstum ist verhältnismäßig stetig. Allenfalls gibt es Phasen schwacher Konjunktur oder Rezession. Die Börse versucht, diese Phasen vorauszusehen. Sie hat gleichsam den größeren Bewegungsdrang. Anleger, die zu wissen glauben, wo es lang geht, laufen der realen Wirtschaft gerne voraus.

Manchmal folgt die Börse der Wirtschaft nicht sofort. Sie stellt Spekulationen an, was unter Umständen dazu führt, dass die Börse in eine andere Richtung als die Wirtschaft läuft. Aber wenn die Börse unsicher ist wie es weitergeht, läuft sie zurück und sucht die Nähe zu den greifbaren Fakten. Dann laufen Wirtschaft und Börse nebeneinander her, bis die Börse wieder optimistisch vorausläuft oder Gründe hat, zurückzubleiben.

Letztendlich koppelt sich die Börse aber nicht von der realen Wirtschaft ab.

Die Realität

Die vergangenen Monate kann man mit diesem Bild gut zusammenfassen: Als das Herrchen Anfang März erkannte, dass aufgrund der Pandemie ein Stück des Weges zurückgegangen werden muss (Rezession), bedeutete das für den vorausgelaufenen Hund (Börse), schnell und weit zurücklaufen zu müssen (Crash).

Seit Ende März glaubt der Hund zu wissen, welchen Weg sein Herrchen eingeschlagen hat (allmähliche Erholung der Weltwirtschaft) und läuft deshalb wieder voraus. Inzwischen bleibt der Hund ab und zu stehen, um sich zu vergewissern, dass das Herrchen noch auf dem eingeschlagenen Weg ist.

Die Zukunft

Die Mehrheit der Fachleute sind sich darüber einig, dass es im zweiten Halbjahr zu einer Konjunkturerholung kommt, die sich 2021 fortsetzen wird. Auch wenn das Niveau des Rekordjahres 2019 noch auf sich warten lässt.

Einzelne Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 sind kaum zu halten. Staaten und Notenbanken machen mit ihren Hilfspaketen das Gegenteil von damals. Auch die Ausgangslage, die Ursachen und der Verlauf der Krise waren anders und sind nicht vergleichbar.

Natürlich wird im zweiten Halbjahr noch keine Rückkehr zu Vor-Corona-Zeiten zu erwarten sein, aber optimistische Stimmen gehen von einer dynamischen Erholung aus, die dafür sorgen könnte, dass die Gesamtleistung 2020 nicht weit hinter 2019 zurückbleiben wird.

Pic by unsplash
2020 wird sich an den Märkten noch beweisen müssen.

Fazit

Ein richtiger Wirtschaftsaufschwung scheint noch möglich und würde die Börsen positiv überraschen. Gerade die Aktien von konjunkturabhängigen Branchen sind noch deutlich billiger als vor der Pandemie und bieten gute Investitionsmöglichkeiten.

Sollten Sie noch Fragen zu den Entwicklungen an den Märkten haben, steht Ihnen Ihr FinanzConcepter® gerne persönlich zur Seite.

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