Kommt die Zinswende?

von Steve Ruholl

Zinsen auf Erspartes? Dieser Traum könnte sich nach einer jahrelangen Durststrecke endlich wieder als erfüllbar zeigen. Dadurch, dass die Notenbanken die Leitzinsen bis auf null Prozent senkten und Milliardenbeträge Monat um Monat für Anleihen ausgaben, konnte das Abgleiten in eine Depression verhindert werden.

2020 führte die Corona-Pandemie zwar zu einer heftigen, zeitlich aber sehr begrenzten Rezession. Der folgende weltweite Konjunkturaufschwung scheint nun erstmals einen Trend zu steigenden Zinsen auszulösen – auch wenn diese Zinswende langsam verlaufen wird.

Und wieder Amerika

Insbesondere in den USA könnten die Zinsen schneller steigen als die meisten Beobachter erwartet haben. Nach der Sitzung des sogenannten Offenmarktkomitees der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve, kurz Fed, gab deren Präsident Jerome Powell bekannt, dass die für das Jahr 2024 geplanten Leitzinserhöhungen auf 2023 vorgezogen werden könnten.

Da die Rohstoffpreise sehr stark ansteigen, erwarten die Experten der Fed nun einen Anstieg der Inflationsrate in den USA auf 3,4 Prozent. Bislang waren sie nur von 2,4 Prozent ausgegangen. Allerdings geht diese Entwicklung auch mit der Erwartung eines Wirtschaftswachstums von immerhin 7,0 Prozent für das Jahr 2021 einher. Jerome Powell selbst erklärte, dass er von der schnellen Erholung der US-Konjunktur überrascht sei. Auch wenn er sich nicht auf einen konkreten Zeitpunkt für die Zinserhöhung festlegen wollte, so gilt es aber als sicher, dass mit der Verringerung der Anleihekäufe, durch deren umfangreichen Erwerb der Zins niedrig gehalten werden kann, begonnen wird, bevor voraussichtlich 2023 die US-Leitzinsen angehoben werden.

Jerome Powell erinnerte auch noch einmal deutlich daran, dass das Ziel der Vollbeschäftigung trotz der starken Erholung des Marktes, lange nicht erreicht sei. Erst wenn weitere Erfolge sichtbar seien, werde die Fed die Zügel anziehen. Auch sei er sich der Hellhörigkeit der Kapitalmärkte durchaus bewusst, so Powell, weshalb er das interne Treffen des Fed Offenmarktkomitees als das Reden über Reden bezeichnete.

Trotz aller gebotener Vorsicht in Powells Formulierungen reagierten die Börsen auch diesmal negativ auf Aussagen eines Fed-Chefs. Weil steigenden Zinsen auf die Bewertung von Aktien und Anleihen drücken, fiel der Dow Jones auf den tiefsten Stand seit Anfang April.

Wie geht Wandel?

In den kommenden Monaten muss die US-Notenbank den schwierigen Weg aus der expansiven Geldpolitik beschreiten. Für 2022 erwartet die Fed eine deutliche Abschwächung der Inflation auf 2,1 Prozent. Sollte sich der Anstieg des Preisniveaus in den USA aber nicht verlangsamen, könnte das eine Beschleunigung der Pläne erzwingen.

„Trotz der sich abzeichnenden Straffung des Zeitplans für den Exit setzt die Fed weiterhin darauf, dass sie es doch relativ langsam angehen kann”, erklärte Commerzbank-Experte Bernd Weidensteiner. Das ist aber nur dann realistisch, wenn die Notenbank mit ihrer Einschätzung Recht behält, dass die aktuell höhere Inflation von Sonderfaktoren getrieben werde und sich im nächsten Jahr wieder beruhige. „Dieser Ausblick ist damit die große Wette der Fed.”
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Die Eurozone verspätet sich

In Europa wird es wohl noch länger dauern, bis die Zinsen eine spürbare Trendwende vollziehen. Die Konjunkturerholung nach der Corona-Pandemie fällt hier weniger dynamisch aus als in den USA. Auch die Inflation ist in Europa vergleichsweise gering. Die EZB sieht deshalb noch keine Veranlassung, einen Wechsel ihrer Geldpolitik anzukündigen und so werden die Euro-Zinsen voraussichtlich noch längere Zeit nahe null Prozent bleiben.

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Traut sich der Dollar als Erster wieder hervor?

Fazit

Wer sein Geld in US-Dollar anlegt, kann in absehbarer Zeit durchaus von einem Zinsvorteil profitieren. Bereits jetzt reagierte der US-Dollar auf die Verlautbarungen der US-Notenbank an den Devisenmärkten mit einem Anstieg seines Wechselkurses.

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Von Published On: 16.07.2021Kategorien: Allgemein0 KommentareSchlagwörter: , ,

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