HIC Logo

Statistik und die Welt der Inflation!

von Ulf Hinrichsen

Kann die Kugel aus Glas etwas?

Statistiker versuchen aus sich wiederholenden Mustern der Vergangenheit stets etwas für die Zukunft herauszulesen. Wenn es dann aber zur Ausnahme kommt, welche die Regel bestätigt, ist auch die beste auf Statistiken beruhende Vorhersage reine Hellseherei.

August und September sind für die auf Erfahrung beruhenden Vorherseher des Aktienmarktes, also Börsenstatistiker, am schwierigsten einzuschätzen. Diese beiden Monate gehen oft mit Verlusten einher. So auch in diesem Jahr und dies vor allem in Europa. US-amerikanische Aktien hingegen hielten sich erstaunlich gut. Der Dow Jones Industrial Average und S&P-500 haben in der letzten Septemberwoche neue Rekordhochs erreicht. Damit haben sie natürlich dem Weltaktienindex, der zu rund 60 Prozent aus US-amerikanischen Aktien besteht, einen beträchtlichen Anstieg beschert. Aber auch in den USA sind die Mehrheit der Aktien tatsächlich nicht gestiegen. Der Anstieg der Indizes ist lediglich auf die großen Kursgewinne der beliebten Technologiewerte wie Apple oder Amazon zurückzuführen.

Zurück zur Zukunft

Was die zukünftige Entwicklung angeht, so gibt es keine einhellige Meinung unter den Experten. Während die einen den Höhenflug der Wachstumsaktien für begründet halten, sehen andere bei Substanzaktien die sichere Bank. Substanzaktien zeichnen sich durch eine Unterbewertung aus. Der Fokus liegt dabei auf Aktien von Unternehmen mit möglichst hohem Buchwert und solider Eigenkapitalquote.

Im laufenden Jahr allerdings haben die Substanz- oder „Value“-Aktien deutlich schlechter abgeschnitten als die Wachstums- oder „Growth“-Aktien. Value-Aktien stehen im Gegensatz zu Growth-Aktien, die ein Plus von 7,2 Prozent verbuchen können, noch ohne Kursgewinne da. Aber statistisch gesehen haben die Substanzler im Herbst gute Chancen aufzuholen.

Das wird schon

Trotz nach wie vor drohender Handelskonflikte konnten amerikanische Unternehmen für das zweite Quartal in der Berichtssaison, also der Zeit, in der die Geschäftsergebnisse des vorangegangenen Jahres veröffentlicht werden, Umsatz- und Gewinnsteigerungen vermelden. Dass dabei die Sorglosigkeit gegenüber den Folgen etwaiger Handelskriege eine Rolle spielt, ist nicht zu leugnen. Auch wenn US-Notenbank-Präsident Powell durch seine zwischenzeitlichen Kommentare zur Rekordjagd der Börsianer beitrug, ist zu erwarten, dass die Inflationsrate wieder steigen und die Notenbank dem mit höheren Zinsen entgegentreten wird.

Jeder für sich

Die Aktienmärkte außerhalb der USA haben damit zu kämpfen, dass die Volkswirtschaften ihre jeweiligen Gangarten verlangsamt haben oder in manchen Fällen, wie in der Türkei oder Argentinien, völlig aus dem Tritt geraten sind.

Besonders die chinesischen Aktienmärkte, als Vertreter der sogenannten „Emerging Markets“ (Schwellenländer, die ein im Durchschnitt hohes Wirtschaftswachstum aufweisen), erlitten in den letzten Monaten massive Kursverluste. Allein die Drohungen des US-Präsidenten Trump, chinesische Waren mit Strafzöllen zu belegen, lässt die Lage weiter eskalieren, weil Anleger um die Geschäfte chinesischer Unternehmen besorgt sind.

Die Politik des Geldes

Die Gesamtheit von Maßnahmen, die Geldmenge in einer Volkswirtschaft in die gewünschte Richtung zu beeinflussen, nennt man Geldpolitik und dies ist die vorrangige Aufgabe der jeweiligen Notenbank. Die reichliche Versorgung der Wirtschaft mit Geld begünstigt die Konjunktur, während gebremstes Geldmengenwachstum hingegen auch die Börsen hemmt.

In den USA legten Beschäftigung und Löhne zuletzt so deutlich zu, dass mit Leitzinserhöhungen zu rechnen ist und kurzfristig dürfte kein Konjunktureinbruch zu erwarten sein. Die Reallöhne in Japan stiegen so stark, wie seit etwa zwanzig Jahren nicht mehr, was auch dort ein Ende der lockeren Geldpolitik nach sich ziehen dürfte. Auch wenn dem Anschein nach die Wirtschaftsmächte einen Trend nach oben suggerieren, so ist die Gefahr eines Rückgangs des Weltwirtschaftswachstums in den nächsten Jahren hingegen groß wie lange nicht.

Zinseszinseslein

Es hat sich in Europa inzwischen herumgesprochen, dass es kaum Zinsen fürs Ersparte gibt. Vor zehn Jahren begannen die Notenbanken zur Abwehr der Finanzkrise Zinsen auf null zu senken. Um nun nicht eine neue Schuldenkrise durch einen schnellen Zinsanstieg auszulösen, lässt man sich bei der Normalisierung der Zinswerte etwas Zeit.

In den USA beginnen die Zinsen, wie bereits beschrieben, langsam wieder zu steigen. Verzinsliche Anlagen für Euro-Guthaben sucht man weiterhin vergebens. Im Gegenteil: Millionen Sparguthaben verlieren momentan an Wert, ohne dass die Sparer das direkt mitbekommen. Zwar spielen Negativzinsen für Privatsparer in der Regel keine Rolle, gemessen an der realen Kaufkraft jedoch verliert jeder mit einem Sparguthaben Geld, der unter nominal zwei Prozent Zinsen pro Jahr liegt.

Die Bundesbank hat errechnet, dass das erste Quartal 2018 erstmals seit sechs Jahren eine negative Rendite auf Spar- und Anlagevermögen aufweist. Das heißt, dass sogar die Durchschnittsverzinsung niedriger als die Inflationsrate war. Daraus ergibt sich für Sparer ein Durchschnittsminus von bemerkenswerten 0,8 Prozent.

Eine Rückkehr zu alten Zinsständen im Eurobereich ist in den kommenden beiden Jahren eher nicht zu erwarten. Ein weiterer Anstieg der Inflation könnte zwar bedingen, dass die EZB dem Kaufkraftverlust mit höheren Zinsen entgegentreten muss, aber auch zwei Prozent Zinsen wären bei einer Inflationsrate von vielleicht drei Prozent nicht genug, um mit klassischen Sparmodellen Gewinne zu erzielen.

pic by www.unsplash.com

… alle spielen mit.

Sollten Sie weitere Fragen zu den Entwicklungen der Weltmärkte haben, steht Ihnen Ihr FinanzConcepter® gerne mit detaillierten Informationen zur Seite.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
*

Bitte lösen Sie vor dem Senden diese kleine Aufgabe: *