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Corona und die Folgen

von Ulf Hinrichsen

Ab Mitte Februar wurde offensichtlich, dass sich die in China begonnene Corona-Virus-Epidemie zu einer weltweiten Pandemie ausweiten würde. Die Aktienbörsen erlebten daraufhin einen Crash. Panikartige Verkaufswellen ließen Aktienindizes abstürzen. Der Weltaktienindex verlor innerhalb von fünf Wochen über 30 Prozent. Viele Branchen traf es noch härter. So sahen sich beispielsweise börsennotierte Tourismusunternehmen und Fluggesellschaften mit über 50 % Verlusten konfrontiert.

Gab es das schon einmal?

Seit Beginn der Krise werden immer wieder Vergleiche mit vergangenen Crashs der Börsen herangezogen. Jedoch lassen sich aus historischen Vergleichen mit dem Zusammenbruch von 1929, dem Crash von 1987, dem Bärenmarkt 2000 bis 2003 oder der Finanzkrise 2008 keine Rückschlüsse auf Auswirkungen und Dauer der aktuellen Börsenschwäche ziehen. So gab es Crashs, die sich mehr oder weniger an einem Tag abspielten, während andere sich über Jahre hinzogen. Vielen Anlegern sind noch die Jahre 2000 bis 2003 und 2007 bis 2009 gut in Erinnerung geblieben. Auch der folgenschwerste Börsenkrach der Geschichte, der im Oktober 1929 begann, dauerte fast drei Jahre.

Allein aus der Statistik lässt sich also keine Einschätzung ableiten, wie lange und wie weit Aktienkurse fallen. Nur eine Beobachtung lässt sich verallgemeinern: Wer die Börsenschwäche für Aktieninvestments nutzte, machte in der Zeit danach hohe Gewinne. Manchmal dauerte dies ein paar Jahre, manchmal nur Wochen.

Die Covid-19-Schwäche

Wer nun versucht, aus der Analyse historischer Ereignisse Rückschlüsse auf die nähere Zukunft zu ziehen, der sollte vorsichtig sein. Bis jetzt sind keine verlässlichen Prognosen über Dauer und Verlauf der Pandemie verfügbar. Auch vergangene Szenarien wie die mittelalterlichen Pestilenzen und der Ausbruch der Spanischen Grippe Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sind immer nur in Teilaspekten übertragbar.

Während der Kampf gegen die Seuchen der vergangenen Jahrzehnte vor allem in Krankenhäusern und Laboren ausgetragen wurde – ohne nennenswerte Auswirkungen auf die Wirtschaft – kommt es nun zu Grenzschließungen, Reiseverboten, häuslichen Quarantänen, Veranstaltungsabsagen, Versammlungsverboten und der zeitweiligen Stilllegung von Betrieben und Fabriken. Dies führt dazu, dass die Leistung der Weltwirtschaft zumindest im ersten Halbjahr unter das Vorjahresniveau absacken wird, was man eine Rezession nennt. Viele ehemals lukrative Unternehmen rutschen in die Verlustzone. Das hat an den Aktienmärkten bereits hohe Kursverluste ausgelöst.

Nun aber geht es darum, wie lange diese Verlustphase dauert. Droht eine jahrelange Krise oder erlebt die Weltwirtschaft in den kommenden zwölf Monaten schon eine Erholung? Die Antwort auf diese Frage entscheidet, ob die Aktienmärkte zunächst noch schwach bleiben oder eine Kurserholung in den nächsten Monaten stattfindet.

Der Vorteil der Vorbereitung

Dass es Maßnahmen gibt, die eine Infektionswelle eindämmen oder verlangsamen können, zeigen die Erfolge in Asien. Nachdem man dort in den vergangenen zwanzig Jahren drei größere Epidemien erlebt hat, waren die Staaten besser vorbereitet als Europa und die USA. Viele asiatische Länder modernisierten ihre Krisenreaktionspläne und investierten verstärkt in Forschung und Prävention.

Taiwan verhängte beispielsweise bereits am 7. Februar ein Einreiseverbot für alle Personen, die in den zurückliegenden 14 Tagen in China waren. Auch dadurch blieb es dort bei wenigen Infektionen, die zudem offenbar frühzeitig entdeckt und isoliert werden konnten.

Auch in Singapur wurden in den vergangenen Jahren die Kapazität in der Gesundheitssicherheit massiv ausgebaut. Es entstanden beispielsweise ein staatliches Quarantänegebäude und ein nationales Zentrum für infektiöse Krankheiten.

Als in Vietnam die ersten Infektionsfälle auftraten, riegelten die Behörden die betroffene Stadt Son Loi für 20 Tage ab und die Grenzen zu China wurden geschlossen. Flugverbindungen von und nach China und Südkorea wurden gekappt und die Schüler in 63 Provinzen vom Unterricht befreit. Mittels eines neu entwickelten Online-Services müssen alle Bürger ihren Gesundheitszustand melden.

Vorbildlich ist vor allem die Leistung Südkoreas. Nach China zählte Südkorea zunächst die höchsten Fallzahlen. Dies dürfte aber auch daran liegen, dass die Dunkelziffer nicht entdeckter Infektionen vergleichsweise gering ist. Durch die hohe Testrate gelten Südkoreas Zahlen als die zuverlässigsten der Welt. Und mit den Tests begann das Land schon am 11. Januar. Unter anderem wurden Drive-Through-Testzentren eingerichtet, in denen Bürger in ihren Autos sitzend getestet werden können. Inzwischen wurde diese Organisationsform in anderen Ländern kopiert. Thermometer zur Fiebererkennung und Desinfektionsmittel standen in Südkorea rasch flächendeckend zur Verfügung. Wurden größere Infektionsherde gefunden, stellte die Regierung zudem auch ganze Wohnblöcke oder Einrichtungen unter Quarantäne. Das Gesundheitssystem war gut vorbereitet, nicht plötzlich überlastet. So blieb die Sterberate bei Infizierten bei unter einem Prozent.

Jede Krise geht vorüber.

Fazit

Während in Europa und Amerika die Wirtschaft unter dem Druck der Pandemie ächzt und herunterfährt, findet in Asien bereits eine leichte Erholung der Märkte statt. Eine weltweite Risikostreuung hat sich also auch in Zeiten der Krise bewährt.

Sollten Sie noch Fragen zu den Entwicklungen an den Märkten haben, steht Ihnen Ihr FinanzConcepter® gerne persönlich zur Seite.

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