Börse aktuell

von Steve Ruholl

Die Zinswende ist und bleibt Hauptbelastungsfaktor für die Börsen. Gute Konjunkturdaten in den USA wurden deshalb sogar an der Wallstreet mit Kursverlusten quittiert. Gründe sind unter anderem höhere Beschaffungskosten für Material und steigende Lohnkosten.

Auch amerikanische Unternehmen versuchen, diese Kostensteigerungen durch Preiserhöhungen weiterzugeben. Damit wurde die Lohn-Preis-Spirale in Gang gesetzt und die Inflation hat mit 8,6 Prozent in den USA ihren höchsten Stand seit 1981 erreicht.

Die Zinsen in Amerika

Die Fed (Federal Reserve System) versucht dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen und erhöhte den Leitzins bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. So stieg die Verzinsung von US-Staatsanleihen mit fünf Jahren Laufzeit von 1,26 Prozent zum Jahreswechsel auf 3,6 Prozent Mitte Juni.

Während normalerweise Anleihen mit längeren Laufzeiten stärkere Kursausschläge zeigen, traf die Zinsentwicklung Anleihen mit kürzeren Laufzeiten ungewöhnlich hart. Fonds, deren Manager sich von US-Anleihen mit kurzer Laufzeit ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis erhofft hatten, mussten mit diesen Investments im ersten Halbjahr Kursverluste hinnehmen.

Die Zinsen in Europa

Nach der US-Notenbank kündigte auch die Europäische Zentralbank (EZB) das Ende ihrer Netto-Anleihekäufe und Zinserhöhungen für Juli an. Im September dürften Europas Währungshüter dann eine weitere Zinserhöhung vornehmen.

Andere europäische Notenbanken haben im Kampf gegen die Inflation ihre Leitzinsen bereits erhöht, darunter überraschend auch die Schweizerische Nationalbank (SNB).

Öl

Gegen den vorherrschenden Trend an den Aktienmärkten stiegen im ersten Halbjahr die Aktienkurse der Ölkonzerne. Sie profitierten vom Anstieg des Ölpreises. Im Juni wurde dieser Aufwärtstrend nicht mehr bestätigt. Eine schwächere Weltkonjunktur dämpfte die Nachfrage nach Öl auf dem Weltmarkt.

Gold

Der Goldpreis war in Reaktion auf den russischen Angriffskrieg auf zeitweilig mehr als 2.000 US-Dollar pro Unze im März gestiegen. Dieses Niveau konnte die Krisenwährung Gold aber nicht halten. Schon im Mai kehrte der Goldpreis wieder auf gut 1.800 US-Dollar zurück.

Kryptowährungen

Große Verlustbringer waren Kryptowährungen. Mehrere sogenannte Stable Coins, Digitalwährungen mit dem Ziel eines festen Wechselkurses zum US-Dollar, konnten ihr Kursniveau nicht halten. Der Verkaufsdruck übertrug sich dann auch auf andere Kryptowährungen und verstärkte sich durch erhöhte Verkäufe der „Mining-Unternehmen“, die mit großem Rechner-Aufwand neuen Einheiten „schürfen“. Angesichts stark steigender Energiekosten müssen sie Krypto-Guthaben verkaufen, um die laufenden Kosten zu decken.

Die Marktkapitalisierung aller fast 20.000 Kryptowährungen fiel gegenüber dem Hoch im vergangenen November von fast drei Billionen US-Dollar auf weniger als 900 Milliarden US-Dollar.

Der Blick nach Asien

Im riesigen Anlageuniversum des asiatisch-pazifischen Raumes gehörte China im vergangenen Jahr zu den großen Verlierern. Der indische Aktienmarkt profitierte hingegen stark. Inzwischen aber hält die Mehrheit der Experten die Chance auf eine Kurserholung in China für größer als einen fortgesetzten Kursaufschwung in Indien.

Man muss nur im Hinterkopf behalten, dass China keine Demokratie und kein Rechtsstaat westlicher Prägung ist. Ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Verluste setzte Peking etwa seine Zero-Covid-Politik durch. Millionenstädte wurden lahmgelegt und wichtige Häfen stellten den Betrieb ein. Die Lehre daraus sollten ausländische Investoren auch in Zukunft nicht vergessen. Für Investments auf dem chinesischen Aktienmarkt sprechen jetzt vor allem zyklische Gründe.

Aktuell lohnt sich ein Blick nach Japan. Dort ist die Inflation so gering, dass die Bank of Japan die Zinsen niedrig halten kann. Das reale Wirtschaftswachstum des als wachstumsschwach geltenden Landes dürfte in diesem Jahr über drei Prozent liegen und damit viele andere Volkswirtschaften übertreffen.

Börsengebäude Tokyo
© Foto: Kakidai, CC BY-SA 4.0
Die Börse in Tokyo bietet aktuell Chancen.

Fazit

Der asiatische Raum ist ein strategisches Standbein für Aktieninvestoren und birgt aktuell mehr Chancen als Risiken. Das aus sehr unterschiedlichen Volkswirtschaften und Branchen bestehende Anlageuniversum bietet vor allem aktiven Fondsmanagern eine große Auswahl an aussichtsreichen Einzeltiteln.

Ihre HIC – die FinanzConcepter®.

 

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Von Published On: 15.07.2022Kategorien: Allgemein0 KommentareSchlagwörter: , ,

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