Die Inflation ist zurück

von Steve Ruholl

Es ist noch nicht so lange her, da wurde ein allgemeiner Preisanstieg nicht für möglich gehalten. Zu fest hatte die Covid-19-Pandemie die Weltwirtschaft im Griff. Das Preisniveau auf den Weltmärkten brach ein und insbesondere der Ölpreis stürzte ab.

Tatsächlich war der Einbruch der Wirtschaft heftig – glücklicherweise aber nur von kurzer Dauer.

Das Jahr der Erholung

2021 ist von einer rasanten Erholung der Konjunktur gekennzeichnet. Die Weltwirtschaft ist kaum in der Lage, den entstandenen Nachholbedarf zu decken. Von Baumaterial bis zu elektronischen Bauteilen: überall ist der Mangel spürbar. Die Logistikbranche kann der weltweiten Nachfrage nicht genügend Kapazitäten bieten und konnte so die Preise empfindlich anziehen. Dass dies Auswirkungen auf das allgemeine Preisniveau und somit auf die Inflationsrate hat, ist kein Geheimnis.

Was ist die Inflationsrate?

Statistiker beobachten die Veränderung der Verbraucherpreise. Dazu stellen sie einen virtuellen Warenkorb aus mehreren hundert Komponenten zusammen, der neben Waren auch typische Dienstleistungen enthält, die von Privathaushalten in Anspruch genommen werden. Die Ausgaben für Mieten inklusive Nebenkosten nehmen inzwischen rund ein Drittel des Warenkorbes ein, damit die Zahlen ein möglichst realistisches Bild der Wirklichkeit widerspiegeln können.

Die prozentuale Veränderung des Gesamtpreises dieses Warenkorbes gegenüber dem Vorjahreszeitraum wird als „Inflations-“ oder „Teuerungsrate“ bezeichnet. Aus dieser Inflationsrate wird dann noch die Kerninflationsrate errechnet, bei der die stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert werden. Dafür spielen die Mieten innerhalb der Kerninflationsrate eine noch größere Rolle.

Das Verbraucherpreisniveau lag in den USA im Mai 2021 5,0 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Ab Juni hatte man für die USA mit einem Rückgang der Inflationsrate gerechnet. Aber sie stieg auf 5,4 Prozent – die Kerninflationsrate erreichte sogar 4,5 Prozent. Eine US-Kerninflationsrate in dieser Höhe gab es seit 30 Jahren nicht.

Wohin, Amerika?

Sollte sich abzeichnen, dass der Inflationsdruck in den USA anhält, müsste die US-amerikanische Notenbank ihre bislang sehr lockere Geldpolitik wohl schneller wieder ändern als geplant. Die vorgetragene Gelassenheit, mit der die US-Notenbank Fed und Ihr Vorsitzender Jerome Powell auftreten, wird zunehmend infrage gestellt. So widersprach der Chef der großen amerikanischen Investmentgesellschaft BlackRock, Larry Fink, offen dem Fed-Chef Powell: „Ich glaube nicht, dass die Inflation vorübergehend sein wird.“

Europäische Vorsicht

Auf dem alten Kontinent warnen immer mehr Experten davor, das Thema Inflation auf die leichte Schulter zu nehmen. So verwies die britische Fondsgesellschaft M&G kürzlich auf Gründe für einen steigenden Inflationsdruck: Neben der höheren Inflationstoleranz der Zentralbanken dürften politische Veränderungen dazu beitragen.

Und auch die OPEC erscheint im Vergleich zu 2020 deutlich disziplinierter zu sein. Dies könnte kurz- bis mittelfristig zu höheren Ölpreisen führen, was entsprechende Auswirkungen auf die Energiepreise und die Inflation nach sich ziehen würde. Zudem seien die Notenbanken diesmal bereit, eine höhere Inflation zu tolerieren.

Alles auf Anpassung

Wenn die Erwartung steigt, dass Geld im Verlauf der nächsten Jahre nennenswert an Kaufkraft verliert, sinkt die Bereitschaft der Anleger, ihr Geld langfristig zu investieren. Bei festverzinslichen Wertpapieren werden solche mit langen Laufzeiten eher gemieden, solange das Risiko einer höheren Inflation nicht durch höhere Renditen ausgeglichen wird.

Und auch bei der Aktienanlage werden solche Titel bevorzugt, die ihre Bewertung eher auf schon jetzt vorhandene Substanz und aktuelle Gewinne stützen. Das war in den vergangenen Jahren anders. Nun steigt also bei den Anlegern die Attraktivität von Aktieninvestments gegenüber verzinslichen Anlagen wieder, weil eine Beteiligung an Unternehmen einen Inflationsschutz bietet: Wenn das allgemeine Preisniveau steigt, können auch die meisten Unternehmen ihre Preise erhöhen und sich damit anpassen.

Bär und Bulle vor der Börse Frankfurt

©Foto: Photo by Christian Waske on Unsplash
Wer wird sich langfristig durchsetzen?

Fazit

Der sich abzeichnende Trend zu einer dauerhaft höheren Inflation wird für Fondsmanager ein wichtiges Thema bleiben. Verzinsliche Anlagen können in den wenigsten Fällen den Kaufkraftverlust des Geldes ausgleichen. Bei Aktien muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob das Unternehmen mit den sich ändernden Umständen klarkommt.

Die Wertpapieranlage wird vor diesem Hintergrund nicht einfacher. Gut, dass Sie sich auf Ihre professionellen und erfahrenen HIC – Die FinanzConcepter® verlassen können.

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Von Published On: 17.09.2021Kategorien: Allgemein, FinanzConcepte0 KommentareSchlagwörter: ,

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