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Haben Anleihen ausgedient?

von Steve Ruholl

Irgendwie hat jeder schon einmal irgendwo von irgendwelchen Anleihen gehört. Doch was sind Anleihen genau? Anleihen sind festverzinsliche Wertpapiere. Wenn Sie in Anleihen investieren, bekommen Sie zu einem festgelegten Zeitpunkt Ihre Investition zurück und die vereinbarten Zinsen obendrauf.

Dabei investieren Sie zum Beispiel in Unternehmen oder gar in Staaten und geben dem Herausgeber der Anleihen somit einen Kredit. Dafür bekommen Sie Zinsen. Wie sich eine Anleihe entwickelt, hängt vom Marktzins, der Laufzeit und Bonität des Herausgebers ab.

Für und Wider

Natürlich haben Anleihen Gewicht auf beiden Seiten der Waage. So stehen dem Vorteil der guten Zinsen und der festgelegten Rückzahlung die Konzentration des Risikos oder gar der Verlust des Investments gegenüber.

Immer mehr und vor allem altgediente Investoren bescheinigen Anleiheinvestoren sehr dunkle Aussichten. So ging der legendäre, inzwischen 90-jährige US-Investor Warren Buffet in seinem jährlichen Brief an die Aktionäre auf die Situation an den Rentenmärkten ein und zeichnete ein düsteres Bild. Und auch Ray Dalio, der 1975 das Unternehmen Bridgewater Associates gründete, sieht angesichts niedriger und negativer Anleihezinsen keinen Sinn mehr darin, in Anleihen zu investieren.

In seinem Post „Warum in aller Welt sollten Sie Anleihen besitzen, wenn…“ auf seinem LinkedIn-Blog schrieb Dalio unlängst, dass Anleihe-Investments nicht einmal mehr einen Kaufkrafterhalt schaffen. Die Probleme werden dadurch sogar noch verschärft, dass Regierungen und Zentralbanken immer mehr Schulden machen, um die durch die Corona-Pandemie entstandenen Defizite zu decken.

Wenn dann ein ausreichend großer Teil der Investoren versuchen würde, Anleihen abzustoßen, würde eine Dynamik entstehen, die man nicht mehr aufhalten könne.

Erwartungen und Realität

Erfahrene Rentenfondsmanager beschreiben auch, dass sich das Rendite-Risiko-Verhältnis an den Rentenmärkten zuletzt noch einmal verschlechtert hat. Unter anderem, weil während der Corona-Krise die Sparquote außergewöhnlich hoch war, ist bei einer Öffnung mit einer Entladung dieser angestauten Nachfrage zu rechnen, was die Preise steigen lassen dürfte. Vorübergehend erwarten manche Fachleute sogar Inflationsraten von bis zu vier Prozent.

Eine Alternative ist in Unternehmensanleihen zu sehen, wenn man manchen Rentenfondsmanagern Glauben schenken darf. Allerdings ist das nicht risikolos. Sollte es infolge der Corona-Krise zu einer schlechteren Bewertung der Kreditwürdigkeit kommen, sind hier Kursverluste zu erwarten. Und weil man bei Unternehmensanleihen nicht breit gefächert investiert, sondern konzentriert und fokussiert, ist das Risiko recht hoch.

Mit einem Augenmerk auf die Restlaufzeit kann man einen aktiven Ansatz verfolgen, denn je kürzer diese ist, umso weniger reagiert der Kurs auf Veränderungen der allgemeinen Marktzinsen. Viele Fondsmanager haben daher die Restlaufzeit ihrer Fonds verkürzt, was Verlustrisiken bei einem Anstieg der Marktrenditen begrenzt.

Bulle vor der Börse

© by Alexander Naumann from Pixabay.com
Es ist nicht immer der Bulle, der den Markt beherrscht.

Fazit

Wirklich attraktive Anleihen gibt es kaum noch – der Markt ist leergefegt. Und wenn etwas günstig scheint, gibt es auch Gründe dafür, warum es so günstig ist.

Sollten Sie noch Fragen zu Anleihen und Rentenfonds haben, steht Ihnen Ihr FinanzConcepter® gerne persönlich zur Seite.

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