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Brexit and the day after

von Steve Ruholl

Die Fischkutter waren bereit, in die Schlacht zu ziehen. Die britischen Fischer konnten den Austritt des Vereinten Königreichs aus der EU kaum erwarten und die Vorfreude, die Fischgründe der Inseln nicht mehr teilen zu müssen, war riesig.

Die über Jahre entstandene antieuropäische Stimmung der Fischer und Stammtischler wussten 2016 einige Politiker für sich zu nutzen. Ausgerechnet einer, der die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft besonders gut kennen sollte, setzte sich an die Spitze der Brexit-Bewegung.

Es wird einmal …

Die kursierenden Märchen der Zeit waren vor allem darauf ausgerichtet, dem Volke zu vermitteln, dass es der britischen Wirtschaft ohne die EU besser ergehen würde. Auch deshalb hatte Boris Johnson keine Probleme damit, immer wieder mit einem ungeregelten, also harten Brexit zu drohen.

Die Realität indes zeigt ein anderes Bild. So hätte ein Rückfall auf die als Minimum vereinbarten Regeln der WTO der britischen Wirtschaft hohe Zölle und katastrophale bürokratische Hürden bedeutet. Schließlich wickelt Großbritannien mehr als die Hälfte seiner Im- und Exporte mit der EU ab. Aus Sicht der EU jedoch entfallen nur etwa rund fünf Prozent des Handels auf das Königreich.

Großer Erfolgsdruck

Kurz vor Ablauf der Übergangsfristen fand man doch noch eine Lösung. Fast fünf Jahre nach dem Austrittsreferendum einigte man sich auf ein Handelsabkommen. Beide Seiten einigten sich auf eine grundsätzliche Zoll- und Quotenfreiheit, was für britische Produzenten und Exporteure angesichts der Bedeutung der EU für den britischen Markt überlebensnotwendig ist.

Indizes britischer Aktien konnten vom Verhandlungsergebnis immerhin bis Ende Januar zehren. Sie schlossen die ersten Wochen in 2021 etwas besser ab als ihre kontinentaleuropäischen Kollegen. Deutlicher profitierte das britische Pfund mit etwa zwei Prozent Aufwertung. Allerdings reichen diese Werte noch nicht, um einen übergeordneten Trend zu prognostizieren.

Hausaufgaben erledigt?

Der britische Staat und die Unternehmen auf der Insel sind schlecht auf den Brexit vorbereitet, weil die Regierung nicht zugeben wollte, welche Hemmnisse auf die Industrie zukommen würden. So werden zum Beispiel Unmengen von Ausfuhranmeldungen, Zollpassierscheinheften, Ursprungszeugnissen, Warenverkehrsbescheinigungen, Lieferantenerklärungen und die Registrierung von ausländischen Mehrwertsteuerzahlungen auf die Unternehmen zukommen, was eine explodierende Bürokratie im Handel nach sich ziehen wird.

Nach einer Analyse der Gesellschaft „UK in a Changing Europe“ wird der Handel Großbritanniens langfristig 13 Prozent niedriger ausfallen als mit EU-Mitgliedschaft. Nicht nur die großen Konzerne, sondern sogar Mittelständler verlagern Betriebsstätten von der Insel auf den Kontinent.

Eu Fans in Britannien
© John Cameron on unsplash
Auf die britische Wirtschaft kommen stürmische Zeiten zu.

Fazit

Die Brexit-Euphorie der Fischer ist einer Wut gegen das Parlament in London gewichen. So darf die EU entgegen aller Versprechungen von Boris Johnson weiter in den britischen Zwölf-Meilen-Gewässern fischen, während sich die Fangquoten für das Vereinigte Königreich nur wenig erhöhen. Auch können die britischen Fischer ihren Fang nun viel schlechter in die EU verkaufen.

Britische Aktien größerer Unternehmen können sich mit den Gegebenheiten arrangieren. Vor allem dann, wenn es sich um weltweit agierende Konzerne handelt.

Allzu großer Optimismus für die gesamtbritische Volkswirtschaft scheint aber nicht angebracht. Der Handel verkompliziert sich und bereits jetzt zeichnen sich Probleme in den Lieferketten ab. Viele Unternehmen stellen die Anforderungen an Exportpapiere vor Probleme, denn die mit der EU vereinbarte Zollfreiheit setzt Exportpapiere voraus, die ausgefüllt, erfasst, verarbeitet und genehmigt werden müssen.

Sollten Sie noch Fragen zu den Entwicklungen an den Märkten haben, steht Ihnen Ihr FinanzConcepter® gerne persönlich zur Seite.

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