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Aktien und Konjunktur 2020

von Ulf Hinrichsen

Das dritte Quartal 2019 war geprägt von beruhigenden Entwicklungen. Die Lage am Persischen Golf eskalierte nicht und der erwartete Ölpreisanstieg blieb aus. Im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt deutete sich Entspannung an und die Hoffnung auf einen geregelten Brexit keimte.

Die europäischen Aktienmärkte erholten sich überdurchschnittlich und die US-Leitindizes pendelten unweit ihres Rekordhochs vom Juli seitwärts.

Kurz vor Ende des vierten und somit letzten Quartals 2019 ist es an der Zeit, den Blick nach vorn zu richten. Dass die Konjunkturaussichten für 2020 nicht rosig sind, darin sind sich Experten einig. Inzwischen signalisieren die Indizes nicht mehr nur für Europa, sondern auch für den amerikanischen Markt eine schwächelnde Wirtschaft. War zuletzt nur die Industrie betroffen, so werden langsam auch der Dienstleistungs- und Konsumsektor vom Abschwung erfasst.

Von 19 nach 20

Das für die Binnennachfrage in den USA wegweisende Konsumentenvertrauen war im vergangenen August stark zurückgegangen und konnte sich im September nur leicht erholen. Die Erwartungen für die Unternehmensgewinne 2019 mussten mehrfach nach unten korrigiert werden und Unternehmen werden in diesem Jahr kaum mehr Gewinne machen als 2018.

Doch damit nimmt auch die Bereitschaft ab, Geld in neue Investitionen zu stecken. Sind diese Investitionen erst einmal rückläufig, so hat das einen selbstbeschleunigenden Effekt – denn was in einem Unternehmen an Investitionen fehlt, fehlt einem anderen Unternehmen an Aufträgen. Dieser Effekt wird den Industrieaufschwung spürbar bremsen.

Was wird getan?

Schwächere wirtschaftliche Bedingungen rufen Notenbanken und Politik auf den Plan. Viele Experten verweisen in diesem Zusammenhang gerne auf die US-Notenbank, deren Leitzins bei immerhin zwei Prozent liegt und durchaus noch gesenkt werden könnte.

Die EZB hingegen hatte das Ziel einer Inflationsrate von etwa 2 Prozent ausgegeben. Nachdem diese Inflationsrate bereits im vierten Quartal letzten Jahres erreicht war, fiel sie zuletzt sogar unter ein Prozent. Ein anhaltender Abschwung würde also die EZB wieder dazu zwingen, eine deflationäre Entwicklung verhindern zu müssen.

Bei einem Konjunkturzyklus im Abschwung spricht die Theorie bei Aktien für eine Umschichtung in Anleihen und defensive Wachstumsaktien. Allerdings muss man die Fähigkeit der Unternehmen, ihren Zahlungsverpflichtungen zukünftig nachzukommen, genau prüfen.

Sollte sich eine wirtschaftliche Besserung abzeichnen, haben konjunkturabhängige Aktien wohl das beste Kurspotenzial. Deshalb kann es attraktiv sein, gegen den allgemeinen Trend genau solche Titel zu erwerben.

Und immer wieder amerikanisch-chinesisch

Der Fortgang des amerikanisch-chinesischen Handelskonfliktes wird großen Einfluss auf die Entwicklung 2020 haben. Dass China eine wesentlich stärkere Position hat, hat sich bereits gezeigt, als US-Präsident Trump Strafzölle wieder zurückzog, weil sie das für die US-Wirtschaft wichtige Weihnachtsgeschäft beschädigt hätten. Auch kann sich Trump 2020 kaum eine Wirtschaftskrise leisten, denn die Wiederwahl eines US-Präsidenten hing stets stark davon ab, in welchem Zustand sich die Wirtschaft der USA zum Zeitpunkt der Wahlen befand.

USA China Conflict

pic by freepik.com

Viel hängt vom Kräftemessen der beiden größten Volkswirtschaften ab.

Auch in Peking dürfte man kompromissbereit sein. Deutlich ist in China die Abkühlung des Wirtschaftswachstums zu spüren und ein Waffenstillstand im Handelskrieg mit den USA könnte die Lage merklich entspannen.

Langfristig wird die geopolitische Konfrontation zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt allerdings fortbestehen, selbst wenn 2020 ein Demokrat ins Weiße Haus einziehen sollte.

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