Update vom Parkett: Nahost-Sorgen, Tech-Korrektur und ETF-Regeln
Die Sommermonate haben an den globalen Finanzmärkten für reichlich Bewegung gesorgt. Nachdem zahlreiche Indizes zur Jahresmitte noch neue Rekordhöhen feierten, kehrten im Juli die Sorgen an die Börsen zurück. Von geopolitischen Spannungen im Nahen Osten über Gewinnmitnahmen im Technologiesektor bis hin zu handfesten Strukturproblemen bei beliebten Indexfonds – ich fassen die wichtigsten Entwicklungen für Sie zusammen.
Börsenbericht: Rückkehr der Geopolitik und des Ölpreis-Schocks
Der Optimismus des Frühsommers wurde im Juli jäh gebremst. Der Hauptauslöser war die erneute Eskalation im Persischen Golf, nachdem US-Präsident Trump die ohnehin brüchige Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärte und neue Luftangriffe befahl.
- Blockade an der Meerenge:
Die für den Welthandel kritische Straße von Hormus wurde blockiert. - Forderung nach „Schutzgeld“:
Für Irritationen sorgte Trump mit der Ankündigung, eine Durchfahrtsgebühr von 20 Prozent des Frachtwertes zu verlangen. Dem widersprach sogar sein eigener Außenminister Marco Rubio unter Verweis auf das internationale Seerecht. - Ölpreis-Rallye:
Als sich die Konflikte auf das Rote Meer ausweiteten, drehte der Ölpreis dramatisch um – von zuvor 70 US-Dollar schoss das Barrel wieder hoch auf 100 US-Dollar.

Es ist nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Gewinnmitnahmen bei Technologie-Aktien
An den US-Börsen richtete sich der Blick parallel auf die frische Berichtssaison der Tech-Giganten. Trotz fundamental starker Daten kam es zu einer spürbaren Korrektur:
- Chip-Sektor unter Druck:
Nach dem erfolgreichen SpaceX-Börsengang im Juni setzten massive Gewinnmitnahmen ein. - KI-Sorgen belasten Software:
Im Software-Bereich hielten die Sorgen vor den immensen Investitionskosten für Künstliche Intelligenz (KI) an. Während Alphabet (Google) die Erwartungen zwar übertraf, sackte die Aktie wegen eben dieser KI-Kostenängste ab. Tesla enttäuschte operativ gänzlich und fiel auf den tiefsten Stand seit August des Vorjahres. - Index-Divergenz:
Der technologielastige Nasdaq-100 büßte im Juli deutlich ein und rutschte von seinem Rekordhoch ab. Im Gegensatz dazu markierte der eher traditionelle Dow Jones Industrial Average im Monatsverlauf einen neuen Rekord.
Aufholbewegung an den europäischen Märkten
Europa nutzte die relative Schwäche der US-Tech-Riesen für eine dynamische Aufholjagd.
Der EURO STOXX 50 kletterte auf ein historisches Hoch, und auch der breitere STOXX Europe 600 untermauerte seinen intakten Aufwärtstrend mit neuen Bestwerten. Der DAX kletterte dank angekündigter Reformbeschlüsse der Bundesregierung Anfang Juli deutlich, bevor er wieder in eine Pendelbewegung um die 25.000er-Marke zurückfiel. Die globalen Ölpreis- und Kriegssorgen dämpften allerdings auch hier stärkere Ausbrüche.
Gemischtes Bild an den asiatischen Märkten
Nach einer starken Rallye in der ersten Jahreshälfte drückten hier ebenfalls Gewinnmitnahmen die Kurse nach unten. Der japanische Nikkei-225 musste Federn lassen und fiel zurück.
Eine positive Ausnahme bildete Hongkong: Nach einem Jahrestief Ende Juni profitierte der Hang Seng Index von Umschichtungen und kämpfte sich im Juli wieder nach oben.
Im Blickpunkt: ETFs mit fragwürdigen Regeln
ETFs, also Exchange Traded Funds, haben in den vergangenen Jahren ihren Marktanteil insbesondere bei Aktienfonds stark ausgeweitet. Die beliebtesten ETFs sind solche, die Aktienindizes nachbilden, die in diesen Jahren stark gestiegen sind. Dies sind wiederum Aktienindizes, die einen hohen Anteil US-amerikanischer Technologie-Aktien enthalten.
Unter den globalen Aktienindizes erfreut sich der MSCI World Index großer Beliebtheit. Laut der Deutschen Börse war der MSCI World Index im vergangenen Jahr der Referenzindex mit dem höchsten ETF-Handelsumsatz auf dem Xetra-Handelssystem der Deutschen Börse.
Allerdings war das nicht immer so und muss auch in Zukunft nicht so sein. Die aktuelle Konzentration von US-Technologie-Aktien übertrifft das hohe Gewicht japanischer Technologie-Konzerne im Jahr 1990.
Im Gegensatz zu aktiven Fonds entscheidet bei ETFs kein Management über die Gewichtung, sondern ein festes Regelwerk. Dieses Prinzip besagt: Je höher der Börsenwert einer Aktie, desto schwerer wiegt sie im Index. Was im Aufwärtstrend wie ein Turbo wirkt, wird beim Trendwechsel zur Gefahr: ETF-Anleger sind dadurch automatisch extrem von den wenigen, ganz großen Tech-Riesen abhängig.
Kommt es zum Trendbruch, fallen die Kursverluste dann auch entsprechend hoch aus.
Der Fall SpaceX: Wenn Indexregeln zulasten der Anleger fallen
Der jüngste Börsengang von SpaceX verdeutlicht die Risiken starrer und manipulierbarer Indexregeln für ETF-Anleger, da die Aktie nach einer überstürzten Aufnahme durch MSCI blind gekauft werden musste.
Zu den umstrittenen Markteingriffen zählten von der Nasdaq verkürzte Aufnahmefristen, eine künstliche Gewichtung sowie das Aushebeln der Insider-Verkaufssperre.
Das Ergebnis: Die SpaceX-Aktie verzeichnete nach dem Hype deutliche Kursverluste und bescherte passiven ETF-Anlegern umgehend reale Verluste.
Kursverluste bei US- und Euro-Anleihen sowie Devisenmärkte
Auch an den Rentenmärkten drehte die Stimmung. Trotz unveränderter Leitzinsen der Notenbanken folgten auf die Juni-Gewinne deutliche Kursverluste, was die Zinsen nach oben trieb. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf ein neues Jahreshoch von gut 4,7 Prozent. Euro-Anleihen gerieten ebenfalls unter Druck.
Am Devisenmarkt verlor der US-Dollar etwas an Schwung. Die Edelmetallpreise stabilisierten sich derweil, wobei Gold auf eine starke Nachfrage stieß.
Fazit
Ein ETF ist immer nur so sicher und durchdacht wie der zugrunde liegende Index. Das Beispiel SpaceX führt uns schmerzhaft vor Augen, dass Indexregeln im Hintergrund dynamisch und nicht immer zum Vorteil der Privatanleger verändert werden können. Ein genauer Blick auf die Zusammensetzung und das Regelwerk der eigenen Fonds ist heute wichtiger denn je.
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