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Von DAX und DAXen

von Ulf Hinrichsen

Dass der Deutsche Aktienindex – kurz DAX – 30 Standardwerte zusammenfasst und deren Kursentwicklung wiederspiegelt ist bekannt. Dass sich aber unterhalb des DAXes eine Reihe weiterer Indizes tummeln, geht in den allgemeinen Börsenberichten in Funk und Fernsehen oft unter.

Die Unterschiede

Bei den Indizes unterhalb der oberen 30 Standardwerte wird zwischen mittelgroßen Aktiengesellschaften, sogenannten Mid Caps, und kleinen Unternehmen, sogenannten Small Caps, unterschieden. Daraus leiten sich die Namen MDAX für die mittelgroßen und SDAX für die kleineren Aktien ab. Einen Sonderfall stellt der TecDAX dar, der ausschließlich Aktien enthält, die den sogenannten Technologie-Branchen zugerechnet werden.

Die Entwicklung der Nebenwerte

In den vergangenen Jahren schnitten die Nebenwerte-Indizes besser als der deutsche Leitindex ab. Dabei ist der langfristige Vorsprung der Nebenwerte nicht allein 2019 entstanden, denn der Kursaufschwung 2019 vollzog sich bei DAX, MDAX, SDAX und TecDAX weitgehend parallel. Am Ende dieses Jahres hatte der SDAX mit gut 30 Prozent die Nase vorn.

Langfristig aber ist der MDAX der Star unter den deutschen Indizes. DAX, MDAX und SDAX wurden bei ihren Starts am 30. Dezember 1987 bei einem rechnerischen Stand von 1.000 Punkten aufgesetzt. Der Startzeitpunkt liegt damit nun 32 Jahre zurück und die langfristige Performance kann also über diesen Zeitraum unmittelbar aus den aktuellen Indexständen abgeleitet werden.

Ein Renditevergleich

Der DAX hat in 32 Jahren bei einem derzeitigen Wert von rund 13.400 Punkten das 13,4-Fache seines Ausgangswertes erreicht. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 8,45 Prozent.

Der SDAX schnitt ähnlich ab. Er stand Mitte Dezember 2019 bei rund 12.600 Punkten. Das 12,6-Fache in 32 Jahren entspricht einer Rendite von 8,24 Prozent pro Jahr.

Der MDAX aber stand Ende Dezember 2019 bei rund 28.250 Punkten, also bei mehr als dem Doppelten des DAX. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 11,0 Prozent – ein gewaltiger Unterschied über einen solchen Zeitraum.

Einen Sonderfall stellt der TecDAX dar. Er ist der Nachfolger des durch Insidergeschäfte und Bilanzfälschungen in Verruf geratenen Nemax50, des Leitindexes des früheren Neuen Marktes. Dieser startete erst am 30. Dezember 1997, also zehn Jahre nach den anderen Indizes der DAX-Familie auch bei 1.000 Punkten. Als der TecDAX nach dem Ende des Neuen Marktes im März 2003 die Nachfolge des Nemax50 antrat, übernahm er auch dessen damaligen Wert.

Der jetzige Indexstand des TecDAX mit knapp 3.100 Punkten zeigt, welche Spuren der Kollaps des Neuen Marktes auch langfristig in der Performance hinterlassen hat. Eine Verdreifachung in 22 Jahren entspricht nur einer Rendite von 5,26 Prozent pro Jahr. Schneidet man die unrühmliche Nemax-Vergangenheit ab und startet erst im März 2003, kann der TecDAX aber fast mit dem MDAX mithalten und dabei DAX und SDAX hinter sich lassen. Betrachtet man nur die vergangenen drei Jahre, hat der TecDAX sogar einen deutlichen Vorsprung.

Statt auf Indexfonds zu setzen, können Anleger auch aktiv gemanagte Fonds wählen, die sich auf deutsche Nebenwerte konzentrieren. Ihr Vorteil: Die Manager sind nicht von vorneherein auf die jeweils kleine Anzahl von Aktien im jeweiligen Index festgelegt, sondern können über die Indexgrenzen hinweg Aktien auswählen. Die meisten dieser aktiv gemanagten Deutschland-Nebenwertefonds liegen dann erwartungsgemäß sowohl hinsichtlich ihrer Wertzuwächse als auch der dabei entstandenen Wertschwankungen zwischen den drei Indexfonds.

Was wirklich zählt

Für die meisten aktiven Fondsmanager ist die Zugehörigkeit der Aktien zu den Indizes unwichtig, für ETF-Anleger (ETF – börsengehandelter Fonds (englisch exchange-traded fund)) dagegen entscheidend. Allerdings dürften die Grenzen zwischen den verschiedenen Indizes der DAX-Familie zukünftig stärker verwischen. Denn zum September 2018 änderte die Deutsche Börse die Spielregeln, nach denen die Indizes zusammengesetzt werden. Dabei wurden zum Teil nicht nur die Anzahl der im Index enthaltenen Aktien verändert und der MDAX beispielsweise auf 60 Werte erweitert, sondern die bis dahin geltende Überschneidungsfreiheit mit dem TecDAX aufgehoben.

Seitdem werden die 30 im TecDAX enthaltenen Technologieaktien je nach Börsenwert und Börsenumsatzvolumen auch im DAX, MDAX oder SDAX geführt, sind also jeweils in zwei Indizes gleichzeitig enthalten. Mit SAP, der Deutschen Telekom, Infineon und Wirecard zeigen sich seitdem vier DAX-Aktien im TecDAX richtungsweisend, entfällt auf diese vier Werte zusammen doch ein Anteil von rund 40 Prozent des TecDAX. Am anderen Ende sind beispielsweise die kleinsten TecDAX-Werte Dräger und IsraVision auch im SDAX enthalten.

Die Entwicklung immer langfristig betrachten.

Fazit

Es gilt als belegt, dass Nebenwerte langfristig besser abschneiden als Standardwerte und Anleger sollten sich nicht von der Indexzugehörigkeit einzelner Aktien lenken lassen.

Sollten Sie noch Fragen zu einzelnen Fonds oder der allgemeinen Entwicklung an den Märkten haben, steht Ihnen Ihr FinanzConcepter® gerne persönlich zur Seite.

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