Zinsen und Dividenden

von Ulf Hinrichsen

Wer eine Gewinnausschüttung einer deutschen Aktiengesellschaft erwartet, darf sich in diesem Jahr wohl auf eine hübsche Summe freuen. Eine aktuelle Studie, die gemeinsam von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), der privaten FOM Hochschule in Essen und der Research-Plattform „Dividenden-Adel“ erstellt wurde, beziffert die Gewinnausschüttungen in diesem Jahr auf insgesamt 52,6 Milliarden Euro. Dies stellt einen neuen Rekordwert dar und ist ein kräftiger Anstieg um 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Summiert wurden dazu die bevorstehenden Dividendenzahlungen von rund 600 deutschen Unternehmen.

Ein gutes Jahr

Von den 160 in DAX, TecDAX, MDAX und SDAX enthaltenen Aktiengesellschaften zahlen nur 19 in diesem Jahr keine Dividende. Der Dividendenrekord ist angesichts des guten Umfeldes mit boomender Konjunktur und niedrigen Zinsen wenig überraschend. Die Unternehmensgewinne stiegen in den meisten Fällen sogar noch stärker als die Dividenden und so nutzen die Unternehmen also die guten Geschäfte, um ihre Gewinnrücklagen aufzustocken.

Zurückhaltung – eine deutsche Tugend?

Leider geht auch in diesem Jahr wieder ein Großteil des Geldsegens ins Ausland. Ausländische Investoren halten mehr als die Hälfte aller Aktien der größten Dividendenzahler. Eine im vergangenen Jahr veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) bezifferte den Anteil der von Ausländern gehaltenen DAX-Aktien auf 54 Prozent. Insgesamt 18 der 30 DAX-Konzerne sind zu über der Hälfte im Besitz ausländischer Aktionäre, vier sogar zu mehr als 70 Prozent.

Etwa zehn Millionen Menschen hierzulande besaßen nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts (DAI) Aktien und/oder Anteile an Aktienfonds. Das entspricht nur 15,7 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahre. Diese Quote ist im Vergleich zu anderen Industrieländern immer noch niedrig.

Das Glücksspiel Zinsen

Als in den 1990er Jahren die Renditen gemessen an der Umlaufrendite der Bundesanleihen schrittweise erst unter fünf Prozent, dann 1998 gar unter vier Prozent sanken, ahnten die meisten sicher nicht, wohin der Weg in den folgenden Jahren noch führen würde. Im Gegenteil: Viele Anleger warteten schon damals auf wieder höhere Zinsen, so wie es zuvor ja fast immer war. Im Jahr 2018 allerdings steht die Umlaufrendite bei mageren 0,35 Prozent p.a., nachdem sie im Jahr 2016 sogar schon einmal unter null lag.

Für Anleger, die auf Zinseinkünfte angewiesen sind, ist diese Entwicklung ein echtes Problem. Hatte die Einführung der Abgeltungssteuer bei vielen Anlegern noch Jubel ausgelöst, ist dieser Steuereffekt angesichts der Fast-Nullzinsen regelrecht verpufft.

Es bleibt die Hoffnung, dass die Zinsen wieder zu steigen beginnen. In den USA können wir diese Entwicklung bereits beobachten, denn dort hat die Fed den Leitzins bereits schrittweise erhöht. Von einem wirklich attraktiven Zinsniveau kann jedoch noch nicht die Rede sein. Erst recht nicht, wenn man aus Sicht eines Euro-Anlegers das Währungsrisiko berücksichtigen muss.

Was bleibt zu tun?

Welche Möglichkeiten bieten sich dem Zinssparer aus heutiger Sicht? Das erste, was der Zinsanleger benötigt, ist Geduld. Denn wie schnell die Zinsen wieder anziehen werden und wie weit, sind Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind. Langfristig orientiert sich der Marktzins üblicherweise an der Inflationsrate. Doch durch die Globalisierungswelle und die damit verbundene weltweite Arbeitsteilung will die Inflation – trotz aller Bemühungen der großen Notenbanken – nicht richtig anziehen, nicht einmal auf die angestrebte Zwei-Prozent-Marke. Und das trotz gut laufender Weltkonjunktur, was in früheren Zeiten die Inflation anheizte. Lässt das Wirtschaftswachstum nach, müsste – nach alter Lehre – die Notenbank mit niedrigeren Zinsen die Konjunktur wieder unterstützen.

Zudem haben sich auch die Finanzminister an die bequeme Situation der Niedrigzinsen gewöhnt. Ein Anstieg der Zinsen würde die Staatskassen durch die hohen Zinszahlungen für die Staatsschulden enorm belasten. Das Interesse der Regierungen dürfte also in einem niedrigen Zinsniveau liegen und damit konträr zu den Anlegerinteressen sein.

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Wichtig ist, das richtige Concept zu haben

Wer als Anleger nicht stärker auf Aktien ausweichen will und Zinsanlagen sucht, sollte mehr denn je den Einsatz aktiv gemanagter Rentenfonds in Betracht ziehen. Fondsmanager sind sicherlich eher als Privatanleger in der Lage, die sich noch bietenden Chancen auf den Rentenmärkten zu nutzen und die Risiken, die mit jeder einzelnen Anleihe verbunden sind, breit zu streuen. Im richtigen Moment zu kaufen oder zu verkaufen, Positionen abzusichern oder Absicherungen wieder aufzulösen sind die Spezialgebiete eines Fondsmanager. Ebenso kann er auch mit Währungen arbeiten und deren Preisschwankungen ausnutzen.

Auch heute gehören Zinsanlagen noch in die meisten gut strukturierten Wertpapierdepots, wenn wohl auch nicht mehr mit solchem Gewicht und wer mit Renteninvestments auf Sicht der kommenden Jahre eine Zwei vor dem Komma erwirtschaftet, wird sich glücklich schätzen dürfen.

Weiter Tipps und Informationen zur aktuellen Lage erhalten Sie in einem individuellen Gespräch mit Ihrem FinanzConcepter® der HIC GmbH

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