Die Börse – Chancen, Risiken und Überraschungen

von Steve Ruholl

Jedes Jahr aufs Neue sorgt die Börse rund um den Jahreswechsel für Gesprächsstoff. Doch was steckt hinter der sogenannten „Jahresendrallye“ und warum bleibt die Börse eine Wundertüte? Heute ziehe ich Bilanz der Entwicklungen des Jahres 2025 und wage einen Ausblick auf die Börsenchancen und -trends für 2026.

Die versteckte Jahresendrallye – Mythos oder Realität?

Traditionell stehen die Chancen auf Kursgewinne in den letzten Wochen des Jahres nicht schlecht. Viele Investoren kaufen gezielt Aktien, um das Jahresergebnis zu „verschönern“. Da rund um die Feiertage weniger Großanleger aktiv sind, können schon kleinere Käufe die Kurse stützen. Größere strategische Umschichtungen finden meist erst im Januar statt, wenn frische Liquidität durch Zinszahlungen in den Markt fließt. Statistisch gesehen sind Dezember und Januar daher oft gute Börsenmonate – doch Ausnahmen bestätigen die Regel.

US-Börsen: Hoffnung auf fallende Zinsen und KI-Fantasie

2025 profitierten die US-Börsen von der Aussicht auf sinkende Zinsen. Die US-Notenbank senkte den Leitzins, was den Dow Jones auf ein Rekordhoch trieb. Allerdings blieb die große Rallye aus, da viele Investoren bereits hohe Bewertungen – besonders bei KI-Aktien – kritisch sahen. Die Frage, wann sich die enormen Investitionen in KI-Rechenzentren auszahlen, bleibt offen. Auch klassische KI-Infrastruktur- und Energieaktien gerieten unter Druck.

Globale Einflüsse: Japan, Europa und Edelmetalle

In Japan sorgte die Aussicht auf Zinserhöhungen für Unruhe, da der Yen oft für sogenannte „Carry Trades“ genutzt wird. Carry Trades sind eine Finanzstrategie, bei der Anleger sich Geld in einer Währung mit niedrigem Zinssatz leihen und es in eine andere Währung oder Anlage mit einem höheren Zinssatz investieren, um die Zinsdifferenz als Gewinn zu erzielen. Steigende Zinsen machen diese Geschäfte riskanter und führen zu Umschichtungen an den Märkten.

Der Deutsche Aktienindex DAX, der im November wegen der hoch gewichteten SAP-Aktie auf den tiefsten Stand seit Mai gefallen war, erholte sich wieder und schloss mit einem Jahresendstand von 24.490 Punkten. Edelmetalle wie Gold und Silber hingegen legten eine echte Jahresendrallye hin. Besonders Silber konnte seinen Preis im Jahresverlauf mehr als verdoppeln.

Die Wundertüte Börse: Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten

Man kann sich nur wundern. Das Jahr 2025 bescherte der Menschheit viel Unerfreuliches – ganz überwiegend selbstgemachtes und vorsätzliches Leid wie beispielsweise den anhaltenden Krieg Russlands gegen die Ukraine. Trotzdem kletterten die Aktienmärkte das dritte Jahr in Folge nach oben. Nachdem 2023 und 2024 gemessen am MSCI-Weltaktienindex Aktienrenditen von über 20 Prozent möglich waren, fiel 2025 das Plus mit 5 bis 6 Prozent bescheidener aus. Das lag aber nicht am US-Aktienmarkt, sondern daran, dass die dort erzielbaren Gewinne bei der Umrechnung in Euro zusammenschrumpften.

Eine bunte Wundertüte auf einem Tisch. Im Hintergrund sieht man eine Aktienbörse.
Nicht selten ähnelt das Geschehen an der Börse einer Wundertüte.

Während die US-Wirtschaft unter der Politik des Präsidenten leidet und die Inflation hoch bleibt, treibt die KI-Fantasie weiterhin die Kurse an. Über 3.000 Milliarden US-Dollar sollen in den kommenden Jahren in KI-Infrastruktur investiert werden. Engpässe bei Chips und Strom könnten das Wachstum jedoch bremsen.

Deutschland: Starke Konzerne trotz schwacher Wirtschaft

Der DAX konnte 2025 erneut um rund 20 Prozent zulegen – und das trotz stagnierender Wirtschaft. Der Grund: Die großen deutschen Konzerne sind international breit aufgestellt und erzielen den Großteil ihrer Umsätze im Ausland. Geopolitische Entwicklungen und der Welthandel bleiben auch 2026 entscheidende Faktoren.

Ausblick 2026: Chancen und Risiken

Für das Börsenjahr 2026 gibt es viele Unwägbarkeiten. Einerseits könnten hohe Infrastruktur- und Rüstungsinvestitionen die Wirtschaft beleben. Andererseits bleibt die Bewertung vieler US-Technologieaktien hoch, was das Risiko für Rückschläge erhöht. Anleger sollten daher breit gestreut investieren und keine Einzelwetten eingehen – die Börse bleibt eine Wundertüte mit Chancen und Überraschungen.

Fazit

Die Börse rund um den Jahreswechsel ist geprägt von statistischen Effekten, politischen Unsicherheiten und technologischen Trends. Wer die Chancen nutzen will, sollte sich nicht auf einzelne Gewinner verlassen, sondern auf Diversifikation setzen.

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