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Happy Birthday, DAX!

von Ulf Hinrichsen

Damals – vor dreißig Jahren

1988 wurde der DAX in Zusammenarbeit von der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Wertpapierbörsen, der Frankfurter Wertpapierbörse und der Börsenzeitung entwickelt, um den Index der Börsenzeitung zu ersetzen, dessen Anfänge bis in das Jahr 1959 zurückreichen. Und am 1. Juli desselben Jahres durfte er dann das Licht der Welt erblicken.

Anfänglich war der DAX nicht als Konkurrenz zu bestehenden und etablierten Indizes wie dem FAZ-Index gedacht, sondern als deren Ergänzung.

Mit den 30 größten börsengehandelten Aktien umfasst der DAX rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung aller börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland, von denen es immerhin mehrere hundert gibt. Alle 30 DAX-Unternehmen haben einen gemeinsamen Börsenwert von über einer Billion Euro.

Wie geht DAX?

Die im DAX enthaltenen Aktiengesellschaften sind im Prime Standard an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet. Er basiert auf Handelsdaten im elektronischen Handelssystem Xetra und wird börsentäglich ab 9.06 Uhr berechnet. Wenn zu diesem Zeitpunkt für einzelne Aktien noch keine Kurse vorliegen, werden die jeweiligen Schlusskurse des vorangegangenen Handelstags herangezogen. Die Berechnung endet mit den Kursen der Xetra-Schlussauktion, die um 17.30 Uhr beginnt und 5 bis 15 Minuten dauern kann. Bis Ende 2005 wurde der DAX im 15-Sekunden-Takt berechnet, seit dem 1. Januar 2006 jede Sekunde.

Der DAX wird sowohl als Performanceindex, bei welchem die Dividenden der im DAX enthaltenen Unternehmen rechnerisch reinvestiert werden, als auch als Kursindex ohne Dividendenberücksichtigung veröffentlicht. Umgangssprachlich wird nur der Performanceindex als DAX bezeichnet. Bei anderen Indizes, wie zum Beispiel dem Euro-Stoxx-50, ist dies oft umgekehrt.

Ab dem 1. Juli 2006 wurde das prozentuale Gewicht eines Unternehmens im DAX auf 10 Prozent gedeckelt, um zu große Abhängigkeiten von einzelnen Aktien zu vermeiden. Vor diesem Datum lag die Deckelung seit 1999 bei 15 Prozent.

Aus was besteht ein DAX?

Die beschriebene Deckelung auf maximal 10 Prozent Gewicht im DAX betrifft im Moment den Softwarekonzern SAP. Mit einem Börsenwert von momentan 120 Milliarden Euro hätte das wertvollste deutsche Unternehmen eigentlich höheres Gewicht. Gleich darauf folgen Siemens mit 100 Milliarden Börsenwert und damit 10 Prozent DAX-Anteil vor Bayer mit fast 90 Milliarden Marktkapitalisierung und entsprechenden 8,5 Prozent Gewichtsanteil. Am anderen Ende des DAX-Rankings finden sich Commerzbank, Beiersdorf und Lufthansa mit jeweils kaum einem Prozent Gewicht.

Seit Anbeginn der DAX-Zeit befinden sich lediglich 12 Aktien ohne Unterbrechung im Deutschen Aktienindex: Allianz, BASF, Bayer, BMW, Commerzbank, Deutsche Bank, Lufthansa, Henkel, Linde, RWE, Siemens und Volkswagen.

Die ersten Unternehmen, die den DAX verlassen mussten, waren das Papierunternehmen Feldmühle Nobel und der Computerhersteller Nixdorf am 3. September 1990. Damals wurde Feldmühle Nobel vom finnisch-schwedischen Papier- und Verpackungsunternehmen Stora Enso übernommen und Nixdorf von Siemens. Fünf Jahre später stieß das heutige Schwergewicht SAP in den DAX und verdrängte das Maschinenbau-Unternehmen Deutsche Babcock. Im November 1996 katapultierte die T-Aktie das Industrieunternehmen Metallgesellschaft aus dem DAX.

Einen skurrilen Moment gab es im Oktober 2008. Porsche versuchte den viel größeren Volkswagen-Konzern zu übernehmen. Hedgefonds, die die VW-Aktie leerverkauft hatten, mussten nun ihre Positionen zu jedem Preis eindecken. Dadurch stieg der VW-Kurs kurzzeitig über 1.000 Euro, was VW rechnerisch zum wertvollsten Unternehmen der Welt machte. Wie allgemein bekannt, übernahm der Volkswagen-Konzern etwas später Porsche.

Insgesamt waren in den 30 Jahren seiner Existenz bislang 59 Unternehmen irgendwann einmal im Dax enthalten.

Der DAX und seine Kinder

Im Frühjahr 1994 wurde der sogenannte DAX 100 eingeführt. Dieser Index sollte die Wertentwicklung der 100 liquidesten Werte des Aktienmarkts dokumentieren. Mit Einführung des MDAX 1996 umfasste der DAX 100 die 30 Werte des DAX und die 70 des MDAX. Durch die Verkleinerung des MDAX auf 50 Werte trat an die Stelle des DAX 100 der HDAX. Der SDAX umfasst die 50 nächstkleineren Werte hinter dem MDAX und der CDAX alle in Frankfurt gehandelten Aktien. Für das Marktsegment “Neuer Markt” wurden eigene “NEMAX”-Indizes geschaffen. An ihre Stelle trat nach dem Scheitern des “Neuen Marktes” der TecDAX, der 30 der größten Technologiewerte beinhaltet.

Inzwischen gibt es noch weitere Indizes. So existieren zum Beispiel nach Branchen zusammengestellte DAX-Indizes wie der ÖkoDAX, Strategie-Indizes wie der DivDAX oder etwas exotischere Familienmitglieder wie ShortDAX und VDAX. Der ShortDAX bewegt sich umgekehrt proportional zur täglichen Entwicklung des DAX und macht es damit möglich, an negativen Kursentwicklungen zu partizipieren. Der VDAX und der inzwischen nach neuer Methode ermittelte VDAX-New errechnen sich dagegen nicht aus Aktienkursen, sondern aus Optionsprämien. Dabei ist die sogenannte “implizite Volatilität” die erwartete Schwankungsbreite des DAX für den Zeitraum der nächsten 45 bzw. 30 Tage.

Der DAX im Laufe der Zeit

Seit seinem Start am 1. Januar 1988 mit 1.000 Punkten stieg der DAX bis Mitte 2018 auf 12.306 Punkte. Wer durchgängig investiert blieb, hat somit durchschnittlich 8,2 Prozent Rendite jährlich erzielt. Wenn man die Dividenden, die rechnerisch beim populären Performance-Index immer wieder als reinvestiert gelten, herausrechnet, ergibt sich nur ein Anstieg auf 5.668,6 Punkte. Langfristig machen die Dividenden also mehr als die Hälfte der Gesamtrendite.

Rechnet man nun den DAX über sein Geburtsjahr hinaus bis 1955 zurück, so gab es in 44 von 63 Jahren Gewinn. Von 360 Monaten in 30 Jahren DAX ging es 215 Mal aufwärts und 145 Mal abwärts. Den größten Monatsverlust erlitt der DAX im September 2002 am Ende der Dotcom-Blase. Damals gab er 25,4 Prozent nach. Anlässlich der Russlandkrise und des kollabierenden Hedgefonds Long Term Capital Management im August 1998 schlug ein Verlust von beachtlichen 18,1 Prozent zu Buche. Auch die Eskalation der Eurokrise 2011 machte sich mit einem Minus von 19,2 Prozent deutlich bemerkbar.

Den besten Monat verzeichnete der DAX im April 2003 mit einem Plus von 21,4 Prozent, als die Kurserholung nach einer dreijährigen Baisse begann. Und als die New-Economy-Spekulation sich ihrem Höhepunkt näherte, ging es um 18,0 Prozent nach oben. Den stärksten Tagesgewinn erreichte der DAX immer als Gegenbewegung auf hohe Kursverluste: So geschehen am 13. Oktober 2008, also mitten in der Finanzkrise, plus 11,4 Prozent.

Den prozentual höchsten kumulierten Rückgang mit 72,7 Prozent Verlust erlitt er zwischen dem 7. März 2000 und dem 12. März 2003 mit einem Sturz von 8.065 Punkten auf 2.203 Punkte. Das war kurz bevor die USA den Irak angriffen.

photo by freepik

Wer an der Börse investiert, muss langfristig denken.

Auch nach 30 Jahren steht der DAX für solide Investmentmöglichkeiten und auf lange Sicht sind hohe Renditen möglich. Sollten Sie weitere Fragen zu den Anlagemöglichkeiten haben, steht Ihnen Ihr FinanzConcepter® gerne mit Rat und Tat zur Seite.

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